SZ/BZ 10.02.2003

 

Das Montagsgespräch: Heute mit...        l

Dorothea Meert

 

 

Vor 30 Jahren, bei der Gründung der Schaubühne, war die Böblingerin Dorothea Meert schon dabei. „In erster Linie spiele ich ja gerne Theater...". Doch längst hat sich die Lust, an allem, was mit dem Theater zusammenhängt verselbständigt. So wurde sie im Laufe der Jahre zur Kostümbildnerin der Gruppe, Maske inbegriffen. Die handwerklichen Kenntnisse hat sie aus dem Modeatelier der Mutter mitgebracht. Doch sie entwirft, schneidert, ändert nicht nur. Seit einigen Jahren führt Dorothea Meert auch immer wieder mal Regie bei der Schaubühne. Ihre Inszenierung der beiden Dario Fo Farcen „Der Dieb, der nicht zu Schaden kam" und „Der Nackte und der Mann im Frack" ist gegenwärtig im Sindelfinger Theaterkeller zu sehen. SZ/BZ-Mitarbeiter Ulrich Holthausen sprach mit ihr.

Was war denn die erste Funktion bei der Schaubühne?

Oh, da muss ich geschwind nachdenken. Die Frau des Botschafters im "Weltfrieden" von Curt Goetz. Das war ja auch unser allererstes Stück. Am Anfang habe ich eigentlich nur gespielt."

Danach kamen noch viele, viele Rollen. Was waren denn die Höhepunkte auf der Bühne?

Für mich war das Christopher Fry "Ein Phönix zuviel" - hier 1993 an der Schaubühne. Ich habe viele Jahre auch noch am Stuttgarter Studio Theater gespielt: Bunburry, Gogol "Die Heiratsvermittlerin", Garcia Lorca ...

Worin liegt denn der Reiz der Theaterarbeit über soviele Jahre hinweg?

Es ist wie eine Infektion. Und unheilbar. Ich spiele entsetzlich gern andere Rollen. Nicht unbedingt um mich zu präsentieren. So verbeuge ich mich zum Beispiel nicht gerne - das ist allenfalls ein unabdingbares Übel. Auf der Bühne gehe ich voll auf in meiner Rolle. Aber das Drumherum liegt mir nicht, so wie dieses Interview.

30 Jahre Theater spielen. Welche Rolle spielt man da im Leben?

Im Leben spiele ich überhaupt keine. Das wird mir auch immer wieder von anderen bestätigt, das ich da sehr natürlich bin. Man weiß es ja selber nicht so. Nein da spiele ich überhaupt nicht. Kann ich gar nicht. Eine absolute Trennung.

Die Farcen von Dario Fo waren ein Lieblingswunsch.

Dario Fo finde ich einfach genial. Was er alles an Ideen in eigentlich so kleine Stücke reinpackt. Und sie machen mir Spaß, weil sie so provozie­rend sind. Heute manches vielleicht nicht mehr so wie in der Zeit als sie entstanden sind. Aber auch heute noch, diese Seitenhiebe auf den Papst - "Ich bin Gott", das ist göttlich.

Der Kostüm-Fundus der Dorothea Meert ist berühmt. Was waren denn die schönsten „Schnäppchen"?

Die schönsten Stücke habe ich vom Stuttgarter Staatstheater. Die machen jedes Jahr eine Verkaufsaktion. Ein-, ja zweitausend Leute balgen sich da - und ich habe viele schöne Sachen ergattert. Ich kaufe immer Sachen, von denen ich glaube, die kann ich selber nie machen. Zu aufwendig, oder einen Stoff, den man sonst nicht bekommt. Ich kaufe dann meist auf Verdacht. Und irgendwann wird es sich dann einfügen.