Kultur Lokal - SZ/BZ vom 28. Juni 1997


Sindelfingen: Dorothea Meert bewahrt Fundus für "Schaubühne"

"Ausleihe ist irre aufwendig"


Von unserem Mitarbeiter Ulrich Holthausen

Diese Werbung hatte Dorothea Meert von unserem Bericht über den Fundus der Sindelfinger "Schaubühne" nicht erwartet. "Aufträge, Kostüme zu machen, kann ich wirklich nicht erfüllen. Ich habe schon genug Arbeit, alles für die eigene Gruppe fertigzubekommen", wimmelt sie Anfragen kategorisch ab.

Aber auch die reine Kostüm-Ausleihe lehnt die "Schaubühne", die gerade mitten in den Proben für die Premiere "Die Irre von Chaillot" am 4. Juli im Garten der Sindelfinger Musikschule steckt, meistens ab. "Das ist zeitmäßig irre aufwendig. Man glaubt es gar nicht. Und zudem haben wir reichlich schlechte Erfahrungen gemacht", bittet Dorothea Meert Kollegen anderer Bühnen um Verständnis für das kategorische Nein.

Unsere Sonderseite "Kellerklamotten für Clown und König" am 7. Juni zum Auftakt des Festivals "Böblingen macht Theater" hat die Frage aufgeworfen, inwieweit Landesbühnen und Staatstheater als subventionierte Einrichtungen dazu verpflichtet sind, Kostüme und Requisiten aus ihrem Fundus zu verleihen,

"Verpflichtet sind wir nur unserem Budget", sagt Hans Tränkle vom Staatstheater Stuttgart über die rechtliche Seite: "Moralisch fühlen wir uns aber durchaus verpflichtet, kleinere Bühnen des Landes zu unterstützen, Wir helfen gern, wenn wir es können," Vorrang habe aber der gegenseitige Austausch mit anderen Häusern: "Allein die zusätzliche Arbeitsbelastung setzt schon Grenzen,"

Bereitschaft zum Austausch zeigt auch Manfred Ernst von der Württembergischen Landesbühne Esslingen: "Wir müßten nicht, aber wir sind bereit, zum Beispiel auch Schulen zu helfen, Zumindest im normalen Rahmen. Wir könnten nicht die komplette Ausstattung für den Fliegenden Holländer zur Verfügung stellen, die Sache muß schon übersichtlich bleiben. Die zusätzliche Arbeitszeit muß allerdings vergütet und eine Kaution hinterlegt werden,"