SZ/BZ vom 29. März 2008

Sindelfingen: Sartres "Geschlossene Gesellschaft" ist die erste Produktion der Schaubühne unter der Spielleitung von Karsten Spitzer / Premiere am kommenden Freitag
Gelebte Gefühle auf der Theaterkeller-Bühne
Von unserem Mitarbeiter
Ulrich Holthausen

Näher ran. Und die Intensität muss so bleiben." Nach der Ernennung von Karsten Spitzer zum Spielleiter präsentiert sich die Schaubühne erstmals ab Freitag, 4. April, auf der Bühne des Theaterkellers. Bei der ersten Produktion der neuen Schaubühne mit Jean-Paul Sartres „Geschlossene Gesellschaft" führt Spitzer selbst Regie.

„Ja das ist des Subtext. Und mehr Intensität." Karsten Spitzer lässt laufen, unterbricht seine Akteure auf der Bühne nur selten. Rudert mit den Armen: „Weiter, weiter." Dann greift er doch ein, springt auf die Bühne, spielt es vor: Intensität - das ist sein Lieblingswort. In seiner Berliner Zeit, da hat er schon gelegentlich Regie geführt. „In den letzten Jahren stand ich immer selbst auf der Bühne". Für die Schaubühne ist „Geschlossene Gesellschaft" seine erste Regiearbeit. „Eine sehr intensive Sache."

Proben seit Jahresbeginn

Seit Anfang des Jahres probt die kleine Gruppe in der Aula des Stiftsgymnasiums.: Dirk Reinhardt als Kellner ist ein absoluter Bühnenneuling und Bernd Schmalenbach (Garcin) blickt auch erst auf ein Bühnenjahr. Da sind Astrid Reinhardt (als Ines) und Katrin Finkeinburg (Estelle) schon fast alte Schaubühnen-Hasen.
Seit einem Jahr haben die vier gemeinsam Schauspielunterricht bei Karsten Spitzer. „Eine sehr intensive Zusammenarbeit, daraus resultiert auch die Idee zu einer gemeinsamen Inszenierung, zu dem Stück. Ein schwieriges Stück, denn es geht nur, wenn die Gruppe zueinander gefunden hat." Die Intensität der Gefühle müsse hervorgehoben werden und das gehe nur, wenn in einer intensiven Umfeldarbeit Vertrauen geschaffen werde.

Erlebbarer Existenzialismus

Spitzer legt Wert darauf, dass auf der Bühne Gefühle gelebt werden. „Geschlossene Gesellschaft" ist sein erklärtes Lieblingsstück. „Ein Stück, das eingänglich und unkompliziert den Existentialismus Sartres auf der Bühne erlebbar macht."
Die Personen des Spiels sind tot. In der Hölle gelandet. Zu ihren eigenen Folterknechten bestimmt. Denn auch hier können sie den Rahmen ihrer Probleme, Ambitionen und Gewohnheiten nicht durchbrechen: „Die Hölle, das sind die anderen".
Diese geschlossene Gesellschaft ist eine Notgemeinschaft, die ihre Mitglieder ewig aufrechterhalten müssen, ohne wirklich voranzukommen.
Die totale Einheit von Zeit und Raum. Personen, die die Bühne nicht verlassen. Karsten Spitzer ist sich sicher, dass die Gruppe in der Probenarbeit zueinander gefunden hat.
Jean-Paul Sartres „Geschlossene Gesellschaft" illustriert hier seine Ideen des Existentialismus (das Blick-Kapitel aus „Das Sein und das Nichts") als Thesenliteratur.
Charaktere und Handlung gehen über die zugrunde liegenden Thesen nicht hinaus. Eine große Herausforderung für die Spieler. Aber Karsten Spitzer traut seinen Leuten den Sprung zu. „Der Funke für eine dichte und atmosphärische Spannung glimmt."
Den Zuschauern verspricht Karsten Spitzer ein Erlebnis, bei dem das Kribbeln rüberkommt. „Also, machen wir weiter."

■  Nach der Premiere am Freitag, 4. April zeigt die Schaubühne Jean-Paul Sartres „Geschlossene Gesellschaft" noch am 5., 6., 11., 12. und 13. April. Beginn im Theaterkeller Sindelfingen ist jeweils um 20 Uhr.
■  Karten im Vorverkauf beim i-Punkt am Sindelfinger Marktplatz unter der Tele­fonnummer 0 70 31/94-325.