SZ/BZ vom 11. November 2006

Jens Reinheimer übernimmt die Leitung der Schaubühne Sindelfingen - „Ein seltsames Paar" hat am 24, November Premiere !

„Wir lieben den Theaterkeller als unsere Heimatstätte"


Sindelfingen - Neue Leitung, bewährtes Team, Sorge um die altgediente Spielstätte und ein großes Gemeinschaftsprojekt: Die Schaubühne Sindelfingen hat sich viel vorgenommen. Und einiges kommt auf die Frauen und Männer des Amateurtheaters zu.

- VON ULRIKE LINK -


Jens Reinheimer (re) mit Kollegen bei einer Probe für das neue Stück der Sindelfinger Schaubühne
Foto: privat

„Wir haben Mitte des Jahres beschlossen, neue Wege zu gehen." Jens Reinheimer ist seit zwei Jahren bei der Schaubühne. Mitte des Jahres wurde er vom achtköpfigen Ausschüss zum stellvertretenden Leiter be­stimmt. Ein Gründungsgmiiglied der mehr als 30 Jahre alten Schaubühne hatte ihn dar­auf angesprochen. Zum neuen Jahr über­nimmt der Sindelfinger komplett die Leitung von Rainer Wolf. Der bisherige Leiter wird sich allein auf die künstlerischen Aspekte konzentrieren. „Rainer Wolf ist beruflich zu stark eingespannt, sein bisheriges Engage­ment war nicht mehr leistbar", erklart Jens Reinheimer. Er selbst ist als Freiberufler zeitlich flexibel.

Die Schaubühne ist ein Amateurtheater, die meisten der etwa 40-köp£igen Truppe (15 davon spielen) sind regulär in Lohn und Brot. Ab und an wird ein professioneller Kollege verpflichtet. Wie Jürgen von Bülow. Der freie Regisseur und Dozent für Filmdramaturgie aus Stuttgart, der schon als Drehbuchautor für den „Tigerentenclub," und „Marienhof'' tätig war und mit Felix Huby sowie Roland Emmerich zusammengearbeitet hat, über­nimmt die Regie beim aktuellen Stuck der Schaubühne. „Ein seltsames Paar" nach Neil Simon hat am 24. November Premiere im Sindeliinger Theaterkeller.

Neil Simons berühmtes Stück ist eine explosive Mischung witziger Dialoge und gegensätzlicher Charaktere. Es wurde mehr­fach erfolgreich verfilmt, unter anderem mit Walter Matthau und Jack Lemmon Es be­ginnt damit, dass Felix von seiner Frau ver­lassen wird und Oscar ihn in seinem ver­wahrlosten Appartement aufnimmt. Dabei stellt sich Felix als ein liebenswerter, aber überpenibler Hypochonder heraus. Wie die­ses ungleiche Paar seine Probleme meistert, ist im Theaterkeller Sindelfingen zu sehen. Die Hauptrollen übernehmen Karsten Spit­zer (Oscar) und Rainer Wolf (Felix). „Ich denke, es wird einer der tollsten Aufführun­gen, die wir je gemacht haben." Astrid Rein­hardt ist begeistert. Obwohl die Böblingerin in der aktuellen Produktion nicht auf der Bühne zu sehen sein wird. Drei Monate lang hat sie Regieassistenz übernommen. „Das hat unheimlich viel Spaß gemacht", schwärmt sie.

Es wird die vorerst letzte Eigenproduktion der Sindelfinger Schaubühne im Theater-keller sein. Wolfi Knote renoviert. die Bühne bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen. Erst im Oktober 2007 wird die Schaubühne wieder die Bretter, die die Welt bedeuten, im Theaterkeiler betreten. Mit einer großen Ge­meinschaftsproduktion. Die Schaubühne, Theater Szene 03, DieDa und das Theater­ensemble Sindelfingen (der neue Name der Willy-Reichert-Bühne/Freies Ensemble) füh­ren „Die Physiker" von Friedrich Dürrenmatt auf. Alle Beteiligten hoffen, dass es nicht die letzte Produktion sein wird, die in der Vaihinger Straße zu sehen sein wird.

Die Zukunft des Theaterkellers ist ungewiss. Nach wie vor. „Wir wissen, dass der Vertrag 2007 ausläuft", sagt Jens Reinheimer, „und wir wissen, dass die Stadt Sindelfingen kein Geld hat." Die Kulturschaffenden sorgen sich um den Fortbestand „ihrer" Bühne. „Wir lieben den Theaterkeller als unsere Hei­matstätte", betont Jens Reinheimer. Auch wenn die Schaubühne mit Dario Fo zwei durchaus erfolgreiche Gastspiele in Esslingen und Stuttgart hatte. „Schließlich sind wir alle mit Leidenschaft dabei", er­gänzt Astrid Reinhardt. Für einen Gottes­lohn. Fast. Denn die Schaubühne wird zwar von der Stadt Sindelfingen unterstützt. Der­art, dass sie für ihre Proben in der VHS im Stiftsgymnasium und die Nutzung des Theaterkellers keine Miete zahlen muss. Im Gegenzug wandern fast alle Einnahmen an die Stadt. Aus dem Wenigen, was übrig bleibt, bezahlt das Team der Schaubühne professionelle Kollegen. Spenden sind jederzeit willkommen.

Und werden derzeit gezielt für den Erhalt des Theaterkellers gesammelt Auch beim neuen Stück wird eine kleine Kasse - in welcher Form auch immer - von den Besuchern einen Obulus erbitten. Diesen dann an Fokus, Forum Kultur Sindefingen, übergeben. Andere Sindelfinger Kulturschaffende halten es ebenso. Auch eine Gemeinschaftsproduktion.

Für den Theaterkeller.

„Ein seltsames Paar" der Sindelfinger Schaubühne hat am Freitag. 24. November, um 20 Uhr Premiere. Weitere Vorstellungen: 25., 26., 29. November. 1. bis 6. und 8. bis 10. Dezember, jeweils um 20 Uhr. Der eintritt kostet zehn, ermäßigt sieben Euro. Kartenvorverkauf im i-punkt, Telefon (0 70 31) 94-325.

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