Sindelfingen: Schaubühne inszeniert Boulevardkomödie „Wer ist schon gern der Trottel" im Theaterkeüer / Heute Abend Premiere
Schräge Unterhaltung non stop
Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden
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„Untenrum bin ich völlig Macho. Oben­rum muss ich schwul sein." Auf den arbeitslosen Schauspieler Warren ali­as Daniel Bayer wartet die Rolle sei­nes Lebens. Warren muss aber nicht nur rumtunten, dass sich die Bühne biegt. Vor allem gilt es, einen Japaner zu leimen. Heute ist Premiere der Ko­mödie „Wer ist schon gern der Trottel" im Theaterkeller Sindelfingen.
Kurasowa (Florian Schmider) heißt der Mann aus dem Land der aufgehenden Son­ne, der als Unterhändler zur Vertragsunter­zeichnung nach Essex angereist ist. Sohiri-go, fundamentalistisch-antialkoholischer Getränkehersteller, beabsichtigt in der eng­lischen Grafschaft ein neues Firmengebäu­de zu bauen, in dem Whisky, Champagner, Bier und anderes mit Null Alkoholprozent produziert werden sollen. Den Bauauftrag will sich Reginald Hapgod (Volker Bönisch), Manager der lokalen Baufirma Landiman-Land sichern. Dabei hat Hapgod ein Riesen­problem. Sein Chef Lionel Landiman, der den Vertrag gegenzeichnen muss, wird der­zeit in einer Entziehungsklinik trocken ge­legt. Als Unterzeichner fällt er damit aus: Die gestrengen Japaner akzeptieren als Ge­schäftspartner nur hundertprozentige Abs­tinenzler.
Unerwartete Komplikationen
Landiman-Manager Hapgod engagiert also den arbeitslosen Schauspieler Warren, der dem abgesoffenen Landiman-Boss ver­blüffend ähnlich sieht. Warren freilich ist skeptisch, ob er als Lionel-Double den Japa­ner foppen kann, da die Söhne Nippons doch die Meister der Imitation sind. Tat­sächlich wird sich weisen, dass die Englän­der unterschätzt haben, was Kurasowa alles auffährt, um die Lionel-Kopie auf Originali­tät abzuklopfen. Aufgeklebter Bart und Fensterglasbrille allein werden den Asiaten jedenfalls nicht hinters Licht fuhren.
Zupass kommt den Briten bei den uner­warteten Komplikationen indes, dass sich Kurasowa als typisch japanischer Maso-Lüstling entpuppt, der bei seinen Nachstel­lungen nach Damen in Geisha-Kluft oder
Irrungen und Wirrungen: Die turbulente Boulevardkomödie „Wer ist schon gern der Trottel , für die Schaubühne Sindelfingen inszeniert von Rainer Wolf, hat heute im Theaterkeller Sindelfingen Premiere.                                                                       Bild: Stampe
Vikar-Kostüm nicht immer ganz auf der Höhe des intriganten Geschehens zu bleiben ver­mag, das sich in drei übereinander liegen­den Hotelsuiten entwickelt.
Frauen gefährden den Vertrag
Andersrum gefährden die Frauen aller­dings auch den englisch-japanischen Kon­trakt. Auf der Jagd nach der Topstory trifft Reporterin Sally (Katrin Schwarz), Geliebte des grobschlächtigen Zeitungsmachers Alec (Patrice Thelen), nach zwei Jahren erstmals wieder ihren Ehemann, den Mimen Warren, dem damit eine Doppelrolle aufgezwungen wird. Um vom eifersüchtigen Presse-Brutalo Alec nicht zermalmt zu werden, darf er sich
nicht nur in seiner Landiman-Boss-Rolle al­lein auf den Typ Ladykiller kaprizieren, er muss aus Überlebensgründen auch noch als Schwuli Dorian reüssieren.
Mal Homo, mal Hetero, der auf Sofa und Wandklappbett neben seiner Werbung um Gattin Sally auch noch das Vernaschen der temperamentvollen Brasilianerin Mercedes (Mine Maier) zu leisten hat, gerät Warren an die Grenzen des in wirklichem und gespiel­tem Leben Leistbaren. Wie gut, dass wenigs­tens Zimmermädchen Olive (Astrid Rein­hardt) in dem ganzen Durcheinander ab und zu den Durchblick bewahrt, selbst dann noch, als der aus der Trinkerheilanstalt aus-gebüchste echte Landiman auftaucht.
Tempo und Turbulenz prägen die Insze­nierung „Wer ist schon der Trottel" (Original „Love on all floors" von John Chapman und Peter Vincent) der Sindelfinger Schaubühne unter der Regie von Rainer Wolf. Neben ei­nem trickreichen Bühnenbild garantieren vor allem die virtuosen Hauptakteure Da­niel Bayer und Katrin Schwarz schräge bri­tische Unterhaltung non stop.
■ Premiere heute Abend, Freitag, 17. Feb­ruar. Weitere Vorstellungen 18., 19., 23.-26., 28. Februar, 3. und 4. März. Beginn immer 20 Uhr, Theaterkeller Sindelfin­gen, Vaihinger Straße 14. Vorverkauf am i-Punkt Sindelfingen am Marktplatz.