Böblinger Bote vom 17. Februar 2006

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Heute Abend Premiere von „Love on all floors“ der Schaubühne Sindelfingen im Theaterkeller

Wer ist schon gern der Trottel?

Sindelfingen - Heute bringt die Schaubühne Sindelfingen ihr neues Stück auf die Bretter des Theaterkellers. „Love on all floors“ von John Chapman und Peter Vincent. Die Globalisierung lässt sich gut komödiantisch umsetzen. Möglichkeiten und Verwicklungen ergeben sich wie von selbst - insbesondere, wenn der Bühnenarbeiter auch noch zur Szene gehört.

VON CHRISTA HAGMEYER

Die deutsche Übersetzung der Farce wurde von Paul Overhoff geschaffen. Sie trägt den Titel „Wer ist schon gern der Trottel?“. Da lässt es sich leicht denken, dass in dem Stück gehörnte Ehemänner oder Liebhaber mit von der Partie sein könnten oder auch Geschäftsleute, die einen wichtigen euro-japanischen Vertrag unter Dach und Fach bringen möchten. Zum Beziehungsgeflacht gehören dann noch ein Verleger und eine Reporterin, die auf der Jagd nach einer Story für die Titelseite sind. Ein japanischer Getränkehersteller will sich von der Baufirma Landiman ein Firmengebäude erstellen lassen. Er verlangt von seinen Geschäftspartnern, dass sie seine antialkoholische Einstellung teilen. Am Tag des Vertragsabschlusses aber ist ausgerechnet der Chef der Baufirma sternhagelblau. Sein Manager, Reginald Hapgood (Volker Bönisch), will die Situation retten und engagiert den arbeitslosen Schauspieler Warren (Daniel Bayer) als Double für seinen Chef. Nun ist aber ausgerechnet die sensationsgierige Reporterin Sally (Katrin Schwarz) die Exfrau des Schauspielers, so dass die Szene durch die Beziehungsprobleme des Paares zusätzliche Hürden erhält. Warren hätte genug zu tun, in der kurzen Zeit sich die Rolle des Firmenchefs anzueignen (den Daniel Bayer natürlich als Doppelrolle spielt). Aber die traumhafte Gage wird ihn auch in Todesnöte und amouröse Abenteuer führen. Warren muß jetzt für das erotische Treiben einstehen, das sein „Original“ international gepflegt hatte. Eigentlich sind ihm nicht nur Sir Landimans Schuhe zwei Nummern zu groß, doch er lernt schnell, je nach Bedarf in die Rolle eines Homosexuellen und eines Frauenhelden zu schlü fen. Dabei muß er sich gegen die Eifersucht des Verlegers Alec (Patrice Thelen) wehren. Auch sollte er in den drei bespielten Suiten jeweils in der richtigen Rolle mit oder ohne Bart erscheinen. Olive, das Zimmermädchen (Astrid Reinhardt), schafft es dank stattlichem Trinkgeld, die Konfusion zu meistern und notfalls beizuspringen. Als nämlich der japanische Geschäftsmann Mr. Kurasowa schließlich eintrifft (von Florian Schmider ewig lächelnd und ohne „r“ dargestellt), wird vor der Vertragsunterzeichnung die Identität von Sir Lionel geprüft. Dessen Markenzeichen aber, das weiß man auch in Japan, sind mehrere Frauen im Bett. Viel Ablenkung ist nötig, denn der echte Landiman platzt immer wieder mit Flasche in die Szene. Der Bühnenarbeiter „Bob“ (Rainer Schmider) kompliziert den Ablauf, da er die Requisiten durcheinanderbringt. Und dann ist noch Mercedes aus Brasilien (Mine Maier), die mit der Pistole herumfuchtelt, um ihre geschwängerte Schwester zu rächen. Mercedes verliebt sich in Warren und „konfirmiert“ schließlich den Japaner im Dienste der Sache. Regisseur Rainer Wolf inszeniert im Nebenberuf seit 16 Jahren und leitet die Schaubühne Sindelfingen seit fünf Jahren. Er läßt dieses Stück auf Tempo spielen. Die Spannung reißt nicht ab, so mancher Wortwitz würzt die Dialoge. Die Schauspieler haben spannende Unterhaltung vorbereitet. Sie spielen ihre Rollen ausdrucksstark und auch unter Tempo überwiegend mit guter Artikulation. Das aufwändige Bühnenbild inklusive Klapbett gestalteten Petra Wächter und Mario Fischer.

Die Premiere von „Love on all floors“ ist am Freitag um 20 Uhr im Theaterkeller Sindelfingen. Weitere Aufführungen am 18., 19. 23. bis 26. und 28 Februar und am 3. und 4. März. Den Vorverkauf übernimmt der i-Punkt Sindelfingen, Telefon (0 70 31) 94-325.