Sindelfingen: Die Schaubühne zeigt „Wankelmut der Liebe" von Marivaux / Jürgen von Bülow führt erstmals Regie im Amateur-Ensemble
Alte Liebe tot, dafür gibt es zwei neue Paare
Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber
Staatstheater sein Handwerk als Regieassis­tent gelernt hat, an der Esslinger Lazi-Akademie Dramaturgie.
Persönliche Bekanntschaften knüpften die Verbindung zwischen von Bülow und der traditionsreichen Sindelfinger Ama­teurbühne Schaubühne. Das Lustspiel von Marivaux ist die erste Frucht dieser Zusam­menarbeit. „Die Arbeit hat mir sehr großen Spaß gemacht", sagt von Bülow, der das „sehr wenig gespielte" Lustspiel für seinen Einstand als Regisseur bei der Schaubühne ausgesucht hat.
„Im Krieg und in der Liebe. . ."
„Im Krieg und in der liebe ist alles er­laubt": So umschreibt von Bülow die Grundstimmung des Stückes „Wankelmut der Liebe" aus dem Jahr 1723, dessen ande­ren Titel „Verführbarkeit auf beiden Seiten" von Bülow für weit aussagekräftiger und schöner hält. Darin entführt der Landes-
fürst (Volker Bönisch) die Geliebte (Belinda Grimm) des einfachen Bürgers Arlequin (Frithjof Künzel), in die er sich verliebt hat Da sich im adligen Ehrenkodex eine Zwangsheirat verbietet, werden nun aller­hand intrigante Dialoge und Machenschaf­ten in Gang gesetzt (in Schwung gebracht durch die von Jens Reinheimer, Gisela Sam­esch, Katrin Schwarz, Martin Müller, Petra Wächter, Johanna Strobel und Ylva Brinker dargestellten Figuren), um die Geliebte von Arlequin loszueisen und für den Prinzen zu gewinnen. Ergebnis: Die alte Liebe wird ver­nichtet, aber zum Schluss gibt es zwei neue Liebespaare.
„Die Figuren sind eigentlich liebenswert", sagt Jürgen von Bülow über die von ihm und seinen Darstellern zum Leben erweck­ten Charaktere. Das versteht sich nicht von selbst: Motor des Stückes sind intrigenrei­che Dialoge, die einzig zum Ziel haben, Arle­quin und seine Geliebte einander zu ent­fremden. Dass dabei aber immer auch echte Gefühle im Spiel sind, sich verlogene Ma­chenschaften und Ausdruck echter Emotio­nen innerhalb des selben Dialogs, teilweise des selben Satzes, abwechseln, macht für von Bülow den großen Reiz des Stückes aus:
„Dies ist extrem schwierig darzustellen." Man müsse das Ganze „französisch" spielen: sehr schnell, beinahe übersprung­haft.
Für von Bülow machen diese Schwierig­keiten, zwischen Intrige und echten Gefüh­len im Gespräch miteinander unterscheiden zu müssen und dabei immer wieder zu scheitern, die Aktualität des Stückes aus. Auf eine Modernisierung der Requisiten hat er dennoch verzichtet: „Wenn der Fürst in einem Armani-Anzug rumrennen würde, hätte das etwas Gewolltes. Der Zuschauer würde ständig über diese Übertragung nachdenken, und wäre vom eigentlichen In­halt abgelenkt."
Lediglich die Rolle der Standesgrenzen, die im Text eine große Rolle spielen, hat der Regisseur abgemildert, um das Ganze zu ak­tualisieren. „Das Stück sollen sich Leute an­sehen, die wieder einmal eine gute Ge­schichte erzählt haben wollen", sagt von Bü­low: „Das ist es, was mich daran begeistert."
■ Premiere von „Wankelmut der Liebe" war gestern im Sindelfinger Theaterkel­ler. Weitere Aufführung finden am 5., 6, 8., 10, 11, 12. und 13. Juni jeweils um 20 Uhr statt. Weitere Informationen gibt es unter www-schaubuehne-sindelfingen.de im Internet.
„Ich mag es, wenn Charaktere auf der Bühne mich begeistern und mitrei­ßen", sagt Jürgen von Bülow über sei­ne Regiearbeit am neuen Stück der Schaubühne Sindelfingen. Das Lust­spiel „Wankelmut der Liebe - Verführ-barkeit auf beiden Seiten" von Pierre C. de Marivaux ist seit gestern im Sin­delfinger Theaterkeller zu sehen.
„Ich denke oft in den Bildern des Kinos", sagt Jürgen von Bülow, der findet, dass man „im Theater nicht oft fragt: Wie wirkt das ei­gentlich auf den Zuschauer?" Diese Heran­gehensweise liegt für den Stuttgarter nahe, verdient von Bülow doch nicht nur als frei­schaffender Regisseur seine Brötchen, son­dern auch als Drehbuchautor. Zudem un­terrichtet von Bülow, der am Stuttgarter
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Der Prinz (rechts Volker Bönisch) weiht Flaminia (Gi­sela Samesch) in seine Pläne ein. Eine Szene aus dem Marivaux-Stück der Schaubühne in Sin­delfingen.
Bild: Stampe