Sindelfinger Zeitung / Böblinger Zeitung vom 29. November 2005
Sindelfingen: Schaubühne inszeniert „Offene Zweierbeziehung" von Franca Rame und Dario Fo mit Gisela Samesch und Karsten Spitzer
Im Ring fliegen die Papierkörbe
Von unserem Mitarbeiter Ulrich Holthausen
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im Theaterkeller. Unterhaltsam entwickelt sich das lebendige Spiel, auch wenn die rast­losen Laufwege gelegentlich etwas ungezü­gelt wirken. Viele nette kleine Einlagen aus der boulevardesken Klamottenkiste. Und selbst politische Implikationen des italieni­schen Agitprop-Paares werden umgesetzt.
Kraftvoll agieren die Darsteller im Wech­selspiel zwischen Übertreibung und Nach­denklichkeit, im Wechsel der Solidaritätsbe­kundungen. Gewohnt souverän und sicher Karsten Spitzer. Der „offene Zweier", da schwebt er geradezu. Die Entwicklung bei Gisela Samesch scheint zunächst nicht so überzeugend, der Kleiderwechsel reicht of­fensichtlich nicht sofort aus.
Kittelig farblos wird sie in emotionaler Er­pressung und der Distanz zum eigen Psy-chokrieg jedoch immer voller und präsen­ter. Und steht schließlich ganz ausdrucks­stark ihre Frau auf der Bühne. Punktet im Bühnenring nicht nur dank der Rolle: zwei exzellente Solokämpfer. Aber es kommt zu keinem wirklichen Schlagabtausch.
Mehrere Runden
Distanziert spielen sie aneinander vorbei. Über mehrere Runden steigen so Frau und Mann in den Ring. Ein offener Schaukampf. Doch der enge Infight entwickelt sich nicht. Der einzige Vorwurf, der man einer gelunge­nen Inszenierung und einem ausdrucksstar­ken Bühnenspiel machen muss.
■ Die nächsten Runden der Schaubühne in der „Offenen Zweierbeziehung" steigen im Theaterkeller im Hotel Knote an der Vaihinger Straße in Sindelfingen um 20 Uhr von Donnerstag bis Sonntag, also vom 1. bis 4. Dezember).
Kräftige Inszenierung eines starken Stückes. Die Sindelfinger Schaubüh­ne trifft den Nerv mit Dario Fos und Franca Rames köstlich amüsanter Farce vom ewig alten Beziehungs­krieg: „Offene Zweierbeziehung". Eine furiose Ehekeilerei in rasant tur­bulenten Szenen als lebendiges und unterhaltsames Spiel im Theaterkel­ler. Die Beziehungskiste Ehe, ein Box-und Ringkampf.
Szenen einer Ehe, es ist das ganz alltägli­che Theater. Das Szenario ist klar. Die Ehe, das bürgerliche Postulat einer geschlosse­nen Zweierbeziehung. Doch die „offene Zweierbeziehung funktioniert offensichtlich auch nur, solange sie nur auf einer Seite of­fen ist - der Seite des Mannes. Sonst entsteht Durchzug", heißt es in der Ankündigung.
Ein kräftiger Wind, der durch den Thea­terkeller rauschte. Die längst zum Klassiker gewordene Farce des Ehe-, Schriftsteller­und Bühnenpaares Franca Rame und Dario Fo liefert einen amüsanten und furiosen Stoff (1983). Witzig und intelligent, mit groß­artigem Wortwitz und gekonnter Wortspie­lerei. Voller Selbstironie, wenn die Protago­nisten immer wieder kommentierend aus den Rollen heraustreten. Turbulente Sze­nen der Beziehungsunfähigkeit.
Der Nerv ist getroffen
Dorothea Meert's kräftige und sehr sorg­fältige Inszenierung trifft den Nerv dieses starken Stückes. Und so auch die Zuschauer
Treffer: Gisela Samesch (rechts) und Karsten Spitzer (links) spielen den Ehekrieg, bei dem Papierkörbe fliegen, im Sindelfinger Theaterkeller.                              Bild: Fischer/z