SZ/BZ vom 7. August 2003


Sindelfingen: Dieter E. Hülles Inszenierung von Shakespeares "Der Sturm" im Serenadenhof

Wunderschönes Schlussbild

Von unserem Mitarbeiter Ulrich Holthausen

Deutlich verbessert gegenüber dem Auftakt vor einer Woche auf Burg Zavelstein präsentierten sich Dieter E. Hülles Shakespeare-Inszenierung und auch das Ensemble von Willy-Reichert-Bühne, Theaterensemble Sindelfingen und Schaubühne jetzt im Sindelfinger Serenadenhof.

Dennoch, ein reißender Theaterorkan war auch dieser "Sturm" nicht. Bei einigen wirklich starken Einzelleistungen ist das Gefälle im Ensemble diesmal beträchtlich. Und nicht immer greifen die Überraschungselemente. Nur selten unterstützen sie dann das Verständnis des Publikums in einem ohnehin verwirrenden Stück.

Die Inszenierung ist straffer geworden und hat aus den Erfahrungen von Teinach sofort Konsequenzen gezogen. Die Darsteller präsentieren sich wesentlich konzentrierter. Und sicherer. Ein Heimspiel eben. Hier wurde ein Hauptteil der Probenarbeit geleistet. Insgesamt ein "Sturm", der deutlich gewonnen hat. Auch wenn hier die Kulisse für Shakespeares zauberhaftes Märchendrama nicht ganz so traumhaft romantische Spielmöglichkeiten eröffnet.

Statt Turmgemäuer dient Sabine Duffner ein geöffnetes Fenster im schnöden Mittelbau zwischen Altem Rathaus und Salzhaus als Monologstätte. Die Nischen der Ruine sind dem anderen Ariel nun die Trittstufen einer kleinen Bibliotheksleiter. Dennoch, das Ambiente stimmte auch im Serenadenhof. Auch, weil es in einer gestärkten Spielerschar nicht mehr nur der einzige Bezugspunkt bleibt.

Stark ein diesmal von der ersten Silbe an konzentrierter Norbert Laubacher als beeindruckend eigenwilliger Prospero - farbig und schattierungsreich. Gezielt mit Wortgewalt, überragend seine sprachlichen Staccati, wie Degenstiche fein. Der einzige der Shakespeare spielt, und es auch darf. Eine Bank auch wieder ein als Rat Gonsalo moralisierender Rolf Welz. Mimisch und sprachlich überzeugend in dankbar komisch angelegter Rolle Jörg Wessels.

Gefälle im Ensemble

Doch das Gefalle in der Ensemblekombination von Willy-Reichert-Bühne, dem Theaterensemble Sindelfingen und der Sindelfinger Schaubühne ist diesmal überraschend groß. Karl-Heinz Gorenko, als Königsbruder Sebastian nicht unbedingt in seiner Rolle, wäre sicher als einer beiden Trunkenbolde Trinculo oder Stefano besser eingesetzt gewesen.

Recht blass diesmal auch Katrin Mangold als Prosperos Tochter Mirinda. Genau und gewissenhaft als Doppelwesen Caliban Bernd Steinhart. Mit einem gestelzten Honoratiorenschwäbisch liegt Axel Finkeinburg diesmal daneben in seiner Rolle als Liebhaber. Sprachlich dünn Hochbootsmann Lydia Kupi in der wichtigen Eröffnungsszene.

Deutlich verbessert jedoch das Zusammenspiel der beiden Ariels. Sabine Duffner dabei sprachlich gewohnt sicher, doch erschließt sich in sonderlicher Mischung aus clowneskem Kostüm und koboldhaftem Tun das Treiben des verdoppelten Luftgeistes nicht unbedingt schlüssig.

Die deutliche Steigerung gegenüber dem Gastspiel auf Burg Zavelstein ist spürbar. Ein nettes Spielchen voller überraschender Höhepunkte, die die Inszenierung über die Schwierigkeit bringen sollen, dass es kaum eine Handlung gibt.

Gestraffte Handlung

Unvermutet und sehr direkt in Szene gesetzt, verwirren sie den Zuschauer aber auch. Aus dem Nichts bricht eine Staatsutopie (Rat Gonsalo) herein und ebenso unvermittelt nach der Pause Prosperos allgemeiner Gnadenerweis. Unbegründet bei Shakespeares Vorlage, sucht die Inszenierung mit gestraffter Handlung die Geschichte weitgehend eindimensional herunterzustreichen.

Doch schon in der Eröffnungsszenerie dringt der Versuch, einen Schiffbruch durch Ironie auf die Bühne zu bekommen, nicht durch. Ebenso wenig wie zum Abschluss die Emanzipation des zweiten Ariel, den Dieter E. Hülles eingerührt hat, als einem Nachfolger Prosperos auf der Insel. Doch ein wunderschönes Schlussbild gibt es allemal.

• Gespielt wird im Serenadenhof noch am 8., 9. und 10. August, Beginn ist jeweils um 20 Uhr.