SZ/BZ vom 5. Februar 2003


Sindelfingen: Die 30 Jahre alte Schaubühne mit zwei Einaktern von Dario Fo im Theaterkeller

Ein Spiel voller Situationskomik

Von unserem Mitarbeiter Ulrich Holthausen

Trefflich besetzt, präsentiert eine spielfreudige und engagierte Schaubühne im Sindelfinger Theaterkeller Dario Fos köstliche Farcen „Der Dieb, der nicht zu schaden kam" und „Der Nackte und der Mann im Frack". Herrlich verwirrend in ihrem turbulenten Treiben und ihren grotesken Übertreibungen. Keine Atempause, für Akteure wie Zuschauer.

„Wenn andere lachen und ich weiß nicht warum - dann wird ich immer ganz traurig." Im Theaterkeller wurde ständig herzlich gelacht. Ein köstliches Stück in trefflichem Spiel. Langsam, pantomimisch, hangelt sich der Dieb hinein, in das Haus und in das Stück, Doch das war es schon in Sachen theatralischer Beschaulichkeit.

Spritzig und voller Power entwickelt sich das temperamentvolle Treiben. Und auch ein klemmendes Rollo kann die Darsteller nicht mehr bremsen. Die Verwechslungsposse nimmt ihren unwiderstehlichen Lauf. Ein herrliches Verwirrspiel voller Situationskomik. Alles ist nur noch ein Missverständnis. Und ein Missverständnis kann man eben nicht erklären. Doch ein Missverständnis mehr oder weniger spielt dann eben doch eine Rolle. Und so bleibt in grotesker Übertreibung das Missverständnis letztlich das einzige zuverlässige. "Lieber ein falscher Ehemann als die Geliebte eines echten".

Autor, Regisseur und Hauptdarsteller zugleich schrieb Dario Fo seine Texte unmittelbar für sich selbst und seine Compagnia. "Genial in seinen Einfällen und Ideen zur Aufführung" (Dorothea Meert) greift er die alten Figuren und Situationen der Volksposse und der Commedia dell'arte auf. Und den lebenslangen Kampf der schlauen, weil geprügelten (Dienstboten-)Kreatur gegen die ewig Reichen und Privilegierten der Welt.

Motiviertes Volkstheater

Dario Fos Theater ist in dieser frühen Phase, als 1957/58 diese Farcen entstanden, noch nicht zwangsläufig ein politisches Instrument. Doch die Stücke leben von und nur in der gesellschaftlichen Aktualität. Zudem ist motiviertes Volkstheater einfach politisch. Nach dem eher nonchalanten Auftakt der zeitrelevanten Posse um drei Paare in der ersten Farce ist das Publikum nach der Pause von brechtschen Dimensionen ("Lied der Straßenkehrer") kurz verblüfft. Philosophierende Müllmänner und nackter Schein. Der politische Aktivist schimmert hervor wie der nackte Mann aus der Tonne.

"Nach außen hin nackt, nach innen bekleidet," entwickelt sich schnell das komödiantische Spiel. "Gefährlich geistvoll" und dann sind nicht nur Männer brisant, "wenn sie auch noch einen vulgären Geschmack haben".

Nicht das erste Mal führt Schaubühnen-Urgestein Dorothea Meert auch Regie. Dario Fos Farcen waren ein lang gehegter Wunsch. Das große Verdienst ihrer starken Inszenierung ist sicher, Dario Fos köstliche Farcen excellent besetzt zu haben. Nicht einmal so sehr ein gewohnt starker Karsten Spitzer, der als Einziger in beiden Stücken tragend spielt. Eindrucksvoll und ausstrahlend zeigt Katrin Mangold (als Julia) viel, auch wenn sie gestisch schon mal überspielt. Köstlich im Tonfall Florian Schmider als Blumenverkaufer: "Wolle Rose?"

Als penetrant harmloser Hanswurst der Dieb Bernd Steinhart. Katrin Schwarz, die vom Sindelfinger Ensemble DieDa dazugestoßen ist, schön besetzt auch einmal Rainer Schmider als unerbittlicher Ordnungshüter,

Rainer Wolf zeigt nackt, mit Zylinder auf dem Kopf und alter Zeitung um die Hüften, komischen Ausdruck: "dem Glücklichen schlägt kein Gedanke". Höchstens der - wie auch den anderen Darstellern der männlichen "Nacktrollen" - an den Besuch in einem Fitness-Studio. Ein köstliches Vergnügen - auch wenn "die Bühne nur schlampig gekehrt" zurückbleibt. Doch Laub drüber.

• Weitere Vorstellungen im Sindelfinger Theaterkeller: 5. bis 10. und 12. Februar. Beginn jeweils 20 Uhr.