Sindelfingen: Achim Fuchs und Jessica Kordulla sind ab heute „Romeo und Julietta" unter der Regie von Dieter E. Hülle im Serenadenhof
„Die sind so aufeinander fixiert"
Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber
Warum muss die 15-jährige Jessica Kordulla heute Abend den 19-jährigen Achim Fuchs küssen, den sie bis vor kurzem „ja gar nicht kannte"? Ganz einfach: William Shakespeare hat es so vorgesehen in seiner Liebestragö­die „Romeo und Julietta". Und als die­se beiden sind Kordulla und Fuchs ab heute, 20 Uhr, im Serenadenhof ne­ben dem Alten Rathaus zu sehen.
„Ja, am Anfang war es schwierig, jedes Mal", beschreibt der Stuttgarter Achim Fuchs den Kuss, den Romeo seiner Anbete­ten mit den Worten „Die Sünden meiner Lippen ist durch die deinige getilgt" auf sel­bige drückt: „Aber irgendwann ist die Hemmschwelle überwunden. Man muss sich auf sein Gegenüber einlassen, ohne es zu überrumpeln." Für Jessica Kordulla ist dies der erste Schauspiel-Kuss: „Es ist unge­wohnt, man ist angespannt und weiß nicht genau wie und was."
Julietta als erste Hauptrolle
Seit 1997 lebt Kordulla in Sindelfingen. Zunächst steht bei ihr die Mittlere Reife an, danach geht es auf der Mildred-Scheel-Schule weiter. Zum Schauspiel kam sie über ihre Mutter, die in Rottenburg eine Kinder­theater-Gruppe leitete. Über das Veranstal­tungsprogramm der Volkshochschule stieß sie zum Sindelfinger Amateurensemble „Schaubühne". Die Julietta ist Kordullas erste Hauptrolle.
Schon dreimal war hingegen Achim Fuchs im Naturtheater Renningen in Hauptrollen zu sehen. Momentan gibt er dort den „Durstig in „Des Kaisers neue Klei­der". Seit letztem Jahr mischt er bei der „Willy-Reichert-Bühne/TheaterEnsemble
Die Julietta
ist ihre erste
Hauptrolle:
Jessica Kordulla
(links) spielt in
der „Romeo
und Julietta"-
Inszenierung von
Dieter E. Hülle
im Sindelfinger
Serenadenhof.
Bilder: Stampe
Sindelfingen" mit. „Ich weiß, dass ich jung aussehe für mein Alter", sagt er über sich.
Und das ist für Regisseur Dieter E. Hülle ein Glücksfall, der mit den beiden „endlich
zwei Schauspieler gefunden hat, die vom Al­ter her zu den dargestellten Personen pas­sen." Juliettas Alter wird im Text genau an­gegeben: Vierzehn. „Ich finde es immer al­bern, wenn Schauspieler in den Dreißigern dieses Liebespaar geben", so Hülle.
Deren Elternhäuser, die Montagues und die Capulets, sind tödlich verfeindet. Und dennoch lieben sich Romeo und Julietta wie wahnsinnig. Zum Schluss sind sie beide tot: Er vergiftet sich, weil er fälschlicherweise glaubt, sie habe sich erstochen.

Ist so eine Liebe nachvollziehbar?

Ist heutzutage eine solche Liebe bis in den Tod nachvollziehbar? „Auschließen will ichs nicht, dass es so was gibt", sagt Achim Fuchs, „ich habs noch nicht kennengelernt." Kordulla ist die ganze Sache unheimlich: „Oh Gott, ich würds schrecklich finden", wenn es solch ein Pärchen in ihrem Bekann­tenkreis gäbe: „Die sind so aufeinander fi­xiert. So die Kontrolle über sich zu verlie­ren, diese totale Liebe von null auf Zweihun­dert, das finde ich seltsam."„ Wenn ich so ein Pärchen kennen würde, wäre ich vielleicht neidisch, dass es zwei Menschen gibt, die sich so lieben", sagt Achim Fuchs, „andererseits würde mich die­ses permanente Aufeinanderhängen ner­ven. Heute sind vielleicht andere Dinge wichtiger, als die unsterbliche Liebe zu fin­den: Geld, Macht, Einfluss.

"„Es ist gute Unterhaltung"

Trotz der ihr etwas unheimlichen bedin­gungslosen Liebe ihres Alters-Egos findet Jessica Kordulla, dass 'Romeo und Julietta'
eine schöne, romantische Geschichte ist." Achim Fuchs ergänzt: „Es ist gute Unterhal­tung, ja vielleicht auch ein bisschen Schmachtfetzen in Kostümen."
Trotz hohem Unterhaltungswert finden die beiden Hauptdarsteller, dass das Stück eine Botschaft hat: Es gehe darum, „was man mit Hass kaputt machen kann und wel­chen Einfluss die Gesellschaft auf die liebe haben kann."
Privat liest Jessica Kordulla keine Klassi­ker: „Das ist mir für meine Freizeit zu an-strengend. Ich lese eher Seichteres, Unbe­kannteres. Oder solche Sachen wie „Sophies Welt": das hat mir super gefallen." Achim Fuchs, der in Esslingen an der Fachhochschüle Sozialpädagogik im dritten Semester studiert, liebt Biographien und ließ sich zu­letzt vom Leben James Deans fesseln. Warum sollen sich die Zuschauer das Stück nun ansehen? „Es ist einfach eine schöne Liebesgeschichte mit Dramatik", sagt Kordulla und lacht: „Ein bisschen Rosa­munde Pilcher, nur ein paar Jahre früher. Ich übertreibe."








■ Aufführungen vom 28. Juli bis zum 12. August, immer mittwochs, freitags, sams­tags und sonntags, 20 Uhr im Serenaden­hof neben dem Alten Rathaus, bei sehr schlechtem Wetter im Theaterkeller, Kar­ten: i-Punkt, Rathausplatz 1, 71063 Sin­delfingen, Telefon: 0 70 31/9 43 25 oder 940 777.
Martin, Achim. Axel (v.l.n.r.)
Ist ab morgen in der romantischsten Rolle seiner bisherigen Theaterlaufbahn zu sehen: Achim Fuchs (Mitte) als Romeo.