Olga Knaus (links) und Astrid Reinhardt im Stück „Geld anderer Leute" leben in zwei verschiedene Welten.
Bild: Stampe
Kritik
Zwei Welten prallen aufeinander
Sindelfingen - Vielleicht sind Ge­schäftsleute eben doch „keine gu­ten Geschichtenerzähler". Trotz gu­ter Darsteller, trotz einer ordentli­chen Inszenierung zu dem hochaktu­ellen Thema „Geld anderer Leute" blieb der Auftritt der Sindelfinger Schaubühne im Sindelfinger Theater­keller ziemlich schal.
Geld und Börse, Aktien und Firmenüber­nahmen. Die Zeit schien nicht nur Regis­seur Rainer Wolf reif. Denn Jerry Sterner weiß, wovon er schreibt. War in der Immobi­lienspekulation ebenso zu Hause wie auf der Wall Street. Und er kennt sich zumindest in der Geschichte der Stilmittel und Techni­ken seines neuen Handwerkes aus.
Harte Schnitte
So erzählt er seine Geschichte in Rück­blenden über einen der Protagonisten als Erzähler. Das führt in harten Schnitten zu filmartig schnellen Szenenfolgen, die Rainer Wolf mit präzisen Lichtwechseln gut auf die Bühne überträgt. Allein mit zwei Schreib-
tischen auf der Bühne symbolisiert er die Welten, die hier aufeinanderteffen, kurz und treffend.
Doch so interessant die Geschichte einer feindlichen Firmenübernahme eines Betrie­bes, der für die Aktionäre tot mehr wert sein wird als lebendig, auch sein mag, Jerry Ster­ners Figuren werden einfach nicht lebendig. Schnell kennt der Zuschauer die Problem­stellung des Stücks, nur die Menschen, die sie in Szene setzen sollten, bleiben hohl.
Aussichtsloser Kampf
Das hat überhaupt nichts mit der darstel­lerischen Leistung zu tun. So wirkt Karsten Spitzer als der Übernahmespezialist Law­rence Garfunkel köstlich. Überzeugend stark wieder einmal Rolf Welz als sein Ge­genspieler aus einer überholten Zeit in sei­nem aussichtslosen Kampf. Seine Mitstreite­rin und langjährige Freundin Bea spielt Astrid Reinhard gelegentlich fast schon et­was zu pathetisch.
Als die junge Anwältin auf Seiten der al­ten Garde aus familiären Banden, aber nicht nur mit der Gefühlswelt des Herzens
längst im anderen Lager beheimatet, schafft Olga Knauss sehenswert diesen darstelle­risch schwierigen Rollenspagat. Etwas farb­los bleibt eigentlich nur Ted Steffen Vogt als Geschäftsführer der „New England Wire ans Cable" und Erzähler dieser Geschichte. Eine Geschichte, deren Personen dem Stück nur zugeordnet scheinen. Sie erhal­ten keine eigene Dimension. So werden auch ihre Dialoge immer spannungsloser. Die Geschichte schmeckt zunehmend fade. Denn die handelnden Personen handeln, wie sie eben handeln müssen. Aber sie ent­wickeln sich nicht. Und lassen so den Zu­schauer rational wie emotional schnell recht kalt. Figuren eines Verhaltens- und Ablauf­schemas gleich.
Aber vielleicht muß es ja immer, wenn es nur ums Geld geht, eine oberflächliche Ge­schichte bleiben.             Ulrich Holthausen
Die „Schaubühne" Sindelfingen spielt „Geld anderer Leute" noch am Freitag, Samstag, Sonntag und Montag, jeweils um 20 Uhr, im Theaterkeller an der Vai-hinger Straße in Sindelf ingen.